UTC – Ultrasound Tissue Characterization


Mit der Ultrasound Tissue Characterization (UTC) steht uns ein hochspezialisiertes Verfahren zur detaillierten Untersuchung von Sehnen und Bändern zur Verfügung.
Im Gegensatz zur konventionellen Ultraschalluntersuchung werden bei der UTC-Untersuchung zahlreiche Ultraschallbilder in exakt definierten Abständen aufgenommen und zu einem dreidimensionalen Datensatz zusammengesetzt. Dadurch kann die Struktur des Sehnengewebes standardisiert erfasst und ausgewertet werden.
Besonders bei Sehnenverletzungen ermöglicht UTC eine differenzierte Beurteilung der Sehnenstruktur und eine objektive Verlaufskontrolle während der Rehabilitation. Veränderungen des Sehnengewebes können über wiederholte Untersuchungen miteinander verglichen und die weitere Belastungssteigerung individuell begleitet werden.
Wie funktioniert UTC?
Bei der UTC-Untersuchung wird der Ultraschallkopf mithilfe einer speziellen Führungseinheit automatisch und mit exakt definierter Geschwindigkeit entlang der Sehne bewegt. Dabei werden in 0,2 mm Abstand zahlreiche aufeinanderfolgende Ultraschallbilder (600) aufgenommen.
Aus diesen Bildern erstellt die Software einen dreidimensionalen Datensatz der untersuchten Sehne. Entscheidend ist dabei nicht nur das Aussehen eines einzelnen Ultraschallbildes: UTC analysiert die Stabilität und Kontinuität der Ultraschallechos über mehrere aufeinanderfolgende Bilder.
Dadurch lässt sich die innere Struktur des Sehnengewebes wesentlich differenzierter und vor allem standardisiert und reproduzierbar beurteilen. Die Ergebnisse werden anschließend farbcodiert als unterschiedliche Echo Types I–IV dargestellt.
Diese quantitative Auswertung ermöglicht es, Veränderungen der Sehnenstruktur im Verlauf objektiv miteinander zu vergleichen.

Echo-Types I-IV – Was bedeuten die Farben?

Die UTC-Auswertung klassifiziert die untersuchte Sehnenstruktur anhand der Stabilität und Kontinuität der Ultraschallechos in vier verschiedene Echo Types. Diese werden farblich dargestellt und ermöglichen eine quantitative Beurteilung der strukturellen Organisation des Sehnengewebes.
Echo Type I – grün: stabile, kontinuierliche Echo-Muster, wie sie typischerweise bei gut organisiertem und ausgerichtetem Sehnengewebe vorkommen.
Echo Type II – blau: weniger stabile beziehungsweise wellenförmig verlaufende Echo-Muster. Sie können ebenfalls strukturiertem Sehnengewebe entsprechen, weisen jedoch eine geringere Echo-Stabilität auf.
Echo Type III – rot: fibrilläre Echo-Muster mit deutlich verminderter Stabilität und Organisation.
Echo Type IV – schwarz: überwiegend amorphe beziehungsweise instabile Echo-Muster ohne erkennbare kontinuierliche Faserorganisation.
Entscheidend ist nicht nur das einzelne UTC-Bild. Die prozentuale Verteilung der Echo Types kann für definierte Sehnenabschnitte erfasst und bei Folgeuntersuchungen miteinander verglichen werden. Dadurch lassen sich strukturelle Veränderungen und der Verlauf der Sehnenheilung objektiver dokumentieren.
UTC bei Sehnenverletzungen und im Rehabilitationsverlauf
Bei Sehnenverletzungen ist nicht nur die Größe einer Läsion entscheidend, sondern vor allem die strukturelle Qualität des betroffenen Sehnengewebes. Mit der UTC-Untersuchung können Veränderungen der Faserstruktur dreidimensional erfasst und im Verlauf quantitativ miteinander verglichen werden.
Besonders bei Core Lesions und Randläsionen lässt sich darstellen, welche Bereiche der Sehne eine gut organisierte Faserstruktur aufweisen und in welchen Regionen die strukturelle Integrität vermindert ist.
Im Verlauf der Rehabilitation können wiederholte UTC-Untersuchungen zeigen, wie sich die Sehnenstruktur unter Therapie und zunehmender Belastung verändert. Dabei kann die Entwicklung der verschiedenen Echo Types über die Zeit miteinander verglichen werden.
Die UTC-Untersuchung liefert damit zusätzliche objektive Informationen für die individuelle Planung und Anpassung des Rehabilitations- und Trainingsprogramms. Klinischer Befund, konventioneller Ultraschall und UTC werden dabei gemeinsam beurteilt.

Verlaufskontrolle – wann ist die Sehne wieder belastbarer?

Die klinische Besserung einer Sehnenverletzung bedeutet nicht automatisch, dass die ursprüngliche Faserstruktur bereits wiederhergestellt ist. Während der Heilung durchläuft das Sehnengewebe verschiedene Phasen – von der anfänglichen Schädigung über die Bildung neuer fibrillärer Strukturen bis zur Organisation und Remodellierung der Sehnenfasern.
Mit wiederholten UTC-Untersuchungen kann verfolgt werden, wie sich die strukturelle Organisation des Sehnengewebes im Verlauf verändert. Dabei werden insbesondere die Veränderungen der Echo Types I–IV quantitativ erfasst und mit vorherigen Untersuchungen verglichen.
Diese Informationen können helfen, den Belastungsaufbau individuell an den strukturellen Heilungsverlauf anzupassen. Anstatt die Rehabilitation ausschließlich nach einem festen Zeitschema zu planen, können klinischer Befund, konventioneller Ultraschall und UTC gemeinsam in die Entscheidung über die nächste Belastungsstufe einfließen.
Ziel ist eine kontrollierte, schrittweise Rückkehr zum Training, bei der die Belastung der jeweiligen Phase der Sehnenheilung angepasst wird.
Früherkennung und Monitoring beim Sportpferd
Sehnenveränderungen können sich entwickeln, bevor eine Lahmheit oder andere eindeutige klinische Symptome auftreten. Gerade bei Sportpferden sind Sehnen regelmäßig hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt, auf die das Sehnengewebe mit strukturellen Veränderungen reagieren kann.
UTC ermöglicht es, die Sehnenstruktur standardisiert und quantitativ zu dokumentieren. Bei einem gesunden Sportpferd kann zunächst ein individueller Ausgangsbefund – eine sogenannte Baseline-Untersuchung – erstellt werden. Spätere Untersuchungen können anschließend mit diesem individuellen Ausgangswert verglichen werden.
Dadurch können belastungsbedingte Veränderungen der Sehnenstruktur im Verlauf erkannt und kontrolliert werden. Besonders bei Pferden im intensiven Training kann dies zusätzliche Informationen liefern, bevor sich eine klinisch manifeste Sehnenverletzung entwickelt.
UTC kann deshalb nicht nur bei bereits bestehenden Sehnenverletzungen eingesetzt werden, sondern auch zum Monitoring von Sportpferden während Training und Wettkampfsaison.

Wann ist eine UTC-Untersuchung sinnvoll?

Eine UTC-Untersuchung kann sowohl bei einer bereits diagnostizierten Sehnenverletzung als auch zur Verlaufskontrolle und zum Monitoring von Sportpferden sinnvoll sein. Durch die standardisierte Untersuchung können Befunde über längere Zeiträume miteinander verglichen werden.
Besonders interessant ist UTC bei:
- akuten und chronischen Sehnenverletzungen
- Core Lesions und anderen strukturellen Sehnenveränderungen
- wiederkehrenden Sehnenproblemen und Re-Injuries
- Kontrolle des Heilungsverlaufs nach einer Sehnenverletzung
- Planung und Anpassung des Rehabilitations- und Trainingsprogramms
- Beurteilung der Sehnenstruktur vor der Rückkehr in das Training
- Monitoring intensiv trainierter Sportpferde
- Erstellung eines individuellen Ausgangsbefundes (Baseline) bei klinisch unauffälligen Sportpferden
UTC ersetzt dabei nicht die klinische Untersuchung und den konventionellen Ultraschall, sondern ergänzt diese um standardisierte und quantitative Informationen über die dreidimensionale Sehnenstruktur.